In britischen Gewerkschaften tut sich was

Die Auseinandersetzung um das Recht auf weibliche Räume kommt in der britischen Linken auf eine neue Stufe. Dort nimmt sie nach Kämpfen in der Labour Party nun in den Gewerkschaften Fahrt auf.

Auf der feministischen Filia-Konferenz wurde letzte Woche bekanntgegeben, dass sich eine neue Kampagne gründet: Adult Female Trade Unionists („erwachsene weibliche Gewerkschafter“, eine Anspielung auf die englische Definition einer Frau), zu der bisher ein Twitter-Account bekannt ist. Diese soll sich für das Recht auf weibliche Räume und eine generelle Stärkung von Frauen in den Gewerkschaften einsetzen. Es besteht auch eine Verbindung zur genderkritischen Labour Women’s Declaration.

Zudem wurde dieses Jahr innerhalb der Filia-Organisation ein Gewerkschafterinnen-Netzwerk gegründet. Im Morning Star gab es eine ausführliche Begründung dieser Initiative. Auf der Webseite findet sich eine Vorstellung ihrer Arbeit.

Gleichzeitig hat die Gewerkschafterin Fiona Macdonald eine Klage gegen ihre Gewerkschaft vorbereitet, weil sie sich aufgrund ihrer genderkritischen Ansichten diskriminert fühlt: ihr wurde die Verleihung eines Preises für ihre langjährige Arbeit verweigert. Auf der Seite des Spendenaufrufs befindet sich eine genauere Schilderung des Falles.

All dies zeigt: der Wind innerhalb der britischen Linken hat sich gedreht. Nachdem zunächst nur die Communist Party und einzelne Initiativen die Auseinandersetzung mit den frauenpolitischen Implikationen der geschlechtlichen Selbstbestimmung forderten, wurde die Ablehnung von Self-ID mittlerweile Parteilinie der Labour Party. Auch ein Urteil des höchsten britischen Gerichts bestätigte im Sommer, dass das Gleichstellungsgesetz auf Grundlage einer biologischen Geschlechtsdefinition arbeitet. Dieser Kampf scheint sich jetzt auf voller Breite auf die Gewerkschaften auszudehnen. Für die deutsche Linke ist das ein weiteres Zeichen, dass eine Auseinandersetzung mit diesem Thema langfristig nicht zu vermeiden sein wird – und durchaus ein linkes Anliegen ist. Dementsprechend kommt der Kampf für die Bewahrung von Frauenrechten im Ausland maßgeblich von organisierten Linken.

Bild: John Shepherd on iStock