Die Zeit der vorbehaltlosen Dominanz der Gendertheorie in Kliniken und der politischen Linken könnte in Großbritannien vorbei sein. Nach dem gestern veröffentlichten bahnbrechenden Report der Medizinerin Hilary Cass, die pädiatrischen Genderkliniken eine katastrophale Bilanz insbesondere im Hinblick auf Differenzialdiagnostik und Hormonbehandlungen ausstellte, zeichnet sich ein Dammbruch ab.
Die massenhafte Verschreibung gegengeschlechtlicher Hormone und Durchführung angleichender Operationen könnte in England gänzlich vor dem Aus stehen. Das NHS England meldete gestern nach der Veröffentlichung des Cass Review, dass auch die Kliniken der Erwachsenenbehandlung nun einer unabhängigen Untersuchung unterzogen werden.
Vorausgegangen sind dem offenbar Erkenntnisse durch Whistleblower, dass die Behandlungen transidenter Patienten, die komplexe oder undiagnostizierte Begleitprobleme aufweisen, mangelhaft sind. Auch diesen Menschen werden oft operative oder hormonelle Eingriffe ermöglicht. Auch gebe es immer mehr Hinweise auf Detransitionierer, die solche Prozeduren versuchen rückgängig zu machen, für die es keine einheitlichen Richtlinien gebe.
Die Ergebnisse des Cass Review scheinen darüber hinaus eine solche Sprengkraft zu besitzen, dass das NHS England gestern zusätzlich ankündigte, die Kliniken zur Herausgabe zu zwingen, die Hilary Cass die Übergabe von Daten der 9.000 Patienten, die als Jugendliche von der geschlossenen Tavistock-Klinik behandelt wurden, verweigert hatten. Eine Untersuchung der langfristigen Entwicklung dieser Patienten im Rahmen des Cass Review war aufgrund der Blockade nicht möglich, obwohl hierfür extra ein Gesetz angepasst wurde.
Die britische Linke hat sich in Gestalt der Labour Party vorbehaltlos hinter die Empfehlungen von Cass gestellt und damit den Bruch mit der Theorie, Geschlecht sei ein angeborenes inneres Wissen anstatt einer körperlichen Realität, worauf die vorschnellen Medikamentierungen Jugendlicher beruhen, endgültig vollzogen. Auch dies deutet einen Trend im Verhältnis der politischen Linken zu dieser Frage an, der sich in Dänemark und Norwegen schon ankündigte. Weiteres ist der Meldung von gestern Abend zu entnehmen.
Meldung vom 10.04.24:
In Großbritannien wurde heute nach viereinhalb Jahren Untersuchung der langerwartete Cass Review veröffentlicht, der unter Leitung der Kinderärztin Hilary Cass die britische und weltweite Behandlung geschlechtsdysphorischer Minderjähriger begutachtete.
Vorausgegangen war der Untersuchung die Kontroverse um Pubertätsblocker- und Hormongaben an Heranwachsende, die u.a. im Gerichtsverfahren von Keira Bell gegen die Tavistock-Klinik gipfelte. Bell hatte die Klinik wegen vorschneller Entfernung ihrer Brüste und irreversibler Veränderung ihres Körpers durch Testosterongaben verklagt, die sie nach wenigen Jahren bereute. Sie lebt heute statt als Transmann offen lesbisch.
Der Cass Review dürfte in Großbritannien und international in der Debatte um die Richtigkeit der medikamentösen und operativen Behandlung transidenter Heranwachsender hohe Wellen schlagen. Der Trend geht dabei deutlich zu einer Abkehr von diesen Methoden. Ausgelöst durch einen Zwischenbericht des Cass Review wurde bereits die Londoner Tavistock-Klinik vor einem Jahr geschlossen sowie im März dieses Jahres die Gabe von Pubertätsblockern durch den NHS England gestoppt.
Seit heute liegt nun die finale Version vor. Sie stellt der bisherigen Praxis, Heranwachsenden ohne tiefere Überprüfung ihrer Situation und ohne relevante klinische Erfahrung irreversible Medikamente zu verschreiben, ein vernichtendes Zeugnis aus. Wesentliche Ergebnisse sind, dass die Behandlung Minderjähriger mit Medikamenten auf sehr dürftiger, nicht ausreichender Evidenzgrundlage stehe. Die meisten der 23 untersuchten klinischen Richtlinien seien nicht unabhängig oder evidenzbasiert. Von 50 untersuchten Studien zu Pubertätsblockern sei nur eine einzige von ausreichender Qualität. Von 53 überprüften Studien zu Hormonbehandlungen genüge ebenfalls nur eine einzige den Ansprüchen.
Von Pubertätsblockern (die genauso wie in Deutschland nur off-label, also inoffiziell verschrieben wurden) sowie Hormongaben bei Minderjährigen sei abzuraten. Vielmehr brauche es eine umfassende Behandlung auch in psychotherapeutischer und psychosozialer Hinsicht. Würden Medikamente in Ausnahmen trotzdem gegeben, dürfe dies nur im Rahmen gut konstruierter Studien geschehen sowie ausschließlich in Begleitung psychotherapeutischer Maßnahmen. Das Vorliegen von neurologischen Entwicklungsstörungen wie Autismus und von psychischen Problemen solle regelhaft erfasst werden. Der Hintergrund ist, dass diese oft eine Transidentität im Jugendalter begleiten und möglicherweise dazu führen können, dass sich diese wieder ändert.
Wes Streeting, der Schatten-Gesundheitsminister der oppositionellen Labour Party, begrüßte in einer Stellungnahme den Cass Review und sagte, das Wohlergehen junger Menschen müsse Vorrang vor politischen Kulturkämpfen haben. Das Gutachten müsse einen „Wendepunkt“ in der Behandlung von Geschlechtsidentitätsfragen darstellen. Die nächste Labour-Regierung, die nach der nächsten Unterhauswahl im Herbst dieses oder Anfang nächsten Jahres wahrscheinlich ist, würde sicherstellen, die Expertenempfehlungen des Cass Review umzusetzen.
Die Reaktion der britischen Sozialdemokratie weist möglicherweise einen neuen Trend aus. Auch in Dänemark geht die sozialdemokratisch geführte Regierung unter Mette Frederiksen einen anderen Weg. Deren Gleichstellungsministerin von der liberalkonservativen Partei wies die Idee geschlechtlicher Selbstidentifikation sowie mehrerer Geschlechter Anfang des Jahres deutlich zurück. Ebenso verbot Dänemark letztes Jahr geschlechtsangleichende OPs bei Minderjährigen. Auch im ebenfalls sozialdemokratisch geführten Norwegen wurden diese mittlerweile verbannt.
Die europäische Linke wäre gut beraten, dem Beispiel der nordischen und britischen Parteien zu folgen und den Umgang mit Transidentität gerade im Jugendalter auf eine Grundlage zu stellen, die statt der ideologischen Annahme einer Angeborenheit psychosoziale Aspekte sowie den Einfluss von Homophobie und Rollenerwartungen auf Heranwachsende berücksichtigt. Der Cass Review ist die hierzu bislang umfassendste Studie und bietet genügend Anhaltspunkte, wie ein evidenzbasierter Umgang aussehen kann.

Eine Antwort zu „Dammbruch in Großbritannien: Dominanz der Gendertheorie in Kliniken und Linken nach NHS-Bericht schwer angeschlagen“
[…] hat, hat gesagt, dass er seine Meinung geändert habe. Als vor ein paar Monaten der Cass Review veröffentlicht wurde, hat er diesen unterstützt und gesagt, als Gesundheitsminister, der er ja jetzt geworden ist, […]